Die Weinberge in der Toskana: Ursprünge, Geschichte und Rebsortenmischung

Laut den Daten des italienischen Verbands der Weinproduzenten „Assovini“ wird in der Toskana auf einer Fläche von 57.900 Hektar Wein angebaut: Auf 85 % der Weinbaufläche werden Rebsorten mit dunklen Trauben angebaut, während die restlichen 15 % mit weißen Rebsorten bestockt sind. Hierbei handelt es sich zumeist um autochthone Rebsorten, wobei die heimische Sangiovese-Traube die absolute Königsrebe ist. Hinzu kommen auch internationale Rebsorten, wie die Bordeaux-Reben, die hier fruchtbare Böden gefunden haben, auf denen sie wachsen und gedeihen können. In diesem Artikel möchten wir Sie auf eine virtuelle Tour in die Weinberge begleiten und Ihnen die wichtigsten toskanischen Rebsorten vorstellen.

Ein paar Fakten über den Weinanbau in der Toskana

Der Großteil der Weinbauflächen liegt in Siena (19.820 Hektar) und in Florenz (14.500 Hektar), gefolgt von Grosseto (8.290 Hektar) und Arezzo (5.440 Hektar). 

Die wichtigste und dominierende Rebsorte weit und breit ist die Sangiovese-Traube. Sie wird in allen Provinzen angebaut, die hinsichtlich der Weinbautradition eine gewisse Bedeutung haben. Die einzige Ausnahme bildet Livorno, wo die Rebsorte Cabernet Sauvignon dominiert. 

Auf einer „nur“ 3.000 Hektar großen Anbaufläche, die 5 % der gesamten Weinbaufläche der Region Toskana entspricht, wird Trebbiano Toscano angebaut, eine weitere toskanische Rebsorte par excellence.

Neben Sangiovese und Trebbiano Toscano werden auch die internationalen Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot auf einer Anbaufläche von jeweils 2.500 und 2.800 Hektar angebaut, die insgesamt fast 10 % der Weinbaufläche der Region ausmachen.

Zu den anderen relativ bekannten Rebsorten der Toskana gehören Canaiolo, Malvasia, Vermentino und Vernaccia di San Giminiano, die eine Fläche von 500 bis 1.000 Hektar einnehmen.

(DATEN des italienischen Statistikamts ISTAT laut statistischer Erhebung im landwirtschaftlichen Sektor aus dem Jahr 2010)

Die Produktion von toskanischen Weinen in Zahlen 

Im Vergleich zum Jahr 2018 mit 2.6 Hektolitern Wein und zur durchschnittlichen Weinproduktion, die stets bei ungefähr 2.6 Mio. Hektoliter liegt, hat die Produktion von Wein in der Toskana 2019 mit 2.63 Millionen Hektolitern leicht zugenommen. Die Produktionszahlen laut Daten des italienischen Statistikamts ISTAT im Überblick:

•           Die Produktion von 2.29 Millionen Hektolitern Rotwein macht 87 % der Gesamtmenge aus, die 1 % über der Vorjahresmenge und 3 % über dem Durchschnitt der letzten 10 Jahre lag. 

•           Die Produktion von Weißweinen in Höhe von 346.000 Hektolitern lag 10 % unter dem historischen Durchschnitt von 385.000 Hektolitern (im Zeitraum 2009-2018).

 

Was die Weinsorten betrifft, so ist die Produktion von DOC-Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung gegenüber 2018 um 3 % zurückgegangen, auch wenn sich dies perfekt mit dem historischen Durchschnitt deckt. Einen Zuwachs verzeichneten hingegen die IGT-Rotweine mit geschützter geografischer Angabe (+15 % gegenüber dem Vorjahr) und die einfachen Weine ohne Qualitätseinstufung (mit 20 % über dem historischen Durchschnitt und einem Anstieg um 9 % im Vergleich zu 2018).

Autochthone Rebsorten der Toskana

Sangiovese

Sangiovese ist die am weiten verbreitetste und am häufigsten angebaute Rebsorte in der Toskana. 

Auf 64 % der gesamten Weinbaufläche der Toskana werden eben genau diese Sangiovese-Trauben angebaut. Im Übrigen ist geschichtlich überliefert, dass die Ursprünge der Rebsorte in dieser Region bereits auf die Etrusker zurückgehen und bis ins 8. Jahrhundert vor Christus zurückreichen. Ihr Name bedeutet wahrscheinlich „Sangue di Giove“ (Jupiters Blut), was für den uralten Zusammenhang zwischen Wein und Göttlichkeit zeugt.

Die Rebsorte hat mittelgroße, hellgrüne und drei- oder fünflappige Blätter. Die an den Reben wachsenden Trauben weisen hingegen ovale Weinbeeren mit dunkler-violettblauer Schale auf, die über einen ausgeprägten und nicht sehr dicken Duftfilm verfügen (ein Belag, der sich wie Reif auf den Beeren bildet). Aus diesen Trauben wird nach der Weinlese ein tanninbetonter Wein mit kräftiger rubinroter Farbe und einem angenehm fruchtigen Nachgeschmack gekeltert.

Die Sangiovese-Trauben gehören bei einigen der besten toskanischen Weine - wie dem Chianti DOCG und dem Chianti Classico DOCG (mit garantierter und geschützter Ursprungsbezeichnung) - zu den wichtigsten Keltertraubensorten, die für die Rebsortenmischung zur Herstellung von sortenreinen Weinen oder in einem variablen Anteil (in einem Verhältnis von mindestens 7:10) verwendet werden dürfen. Auch beim Morellino di Scansano und Pomino DOC Rosso gehört sie zu den wichtigsten Keltertraubensorten.

Trebbiano Toscano

Die Rebsorte mit weißen Trauben ist wahrscheinlich auch etruskischen Ursprungs und steht hinsichtlich der Anbaufläche in der Toskana an zweiter Stelle. Die Trauben weisen ovale Früchte mit bereifter Schale auf, aus denen strohgelbe Weine gekeltert werden, die am Gaumen durch ihre frische Säure und einen mittleren Körper beeindrucken.

Die Rebsorte Trebbiano wird großtenteils im Verschnitt mit anderen weißen Keltertrauben der Toskana verwendet, wie z. B. mit Vermentino und Malvasia Bianca.

Canaiolo

Die Rebsorte Canaiolo wird sowohl als weiße wie auch als rote Keltertraube angebaut. Während der Anbau der weißen Rebsorte Canaiolo Bianco (die oft mit Vernaccia di San Giminiano verwechselt wird) im gesamten Gebiet der Toskana nur noch auf ein paar wenigen Hektaren erfolgt und fast verschwunden ist, ist der Anbau von dunklen Canaiolo-Trauben weit verbreitet. 

Die erstmals 1350 im landwirtschaftlichen Handbuch „Opus Commodorum Ruralium“ von Petrus de Crescenzi erwähnte dunkle Rebsorte wird heute für den Verschnitt zur Herstellung von einigen bedeutenden Weinen mit geschützter Ursprungsbezeichnung und geschützter geografischer Angabe verwendet, wie zum Beispiel für die Weine Maremma Toscana DOC, Toscana IGT, Montecastelli IGT und Colline Lucchesi DOC.

Malvasia Bianca

Malvasia Bianca Lunga ist eine der alten historischen Rebsorten der Toskana, die auch im ursprünglichen Chianti-Rezept von Benito Ricasoli aus dem Jahr 1870 erwähnt ist. 

Die weiße Rebsorte mit runden Weinbeeren ist noch immer in den Produktspezifikationen einiger bedeutender Weine der Toskana mit geschützter Ursprungsbezeichnung vorgesehen, die u. a. zur Erzeugung der Weine Carmignano DOCG, Maremma Toscana DOC und Vin Santo del Chianti DOC verwendet wird. Sie wird aufgrund ihrer geschmacklichen Merkmale und der guten Säurestruktur häufig zur Herstellung von Dessertwein verwendet.

Vermentino 

Die ursprünglich aus Spanien stammende weiße Rebsorte Vermentino kam unter aragonesischer Herrschaft Ende des 14. Jahrhunderts über Korsika und Sardinien auf das italienische Festland. Noch heute sind auf diesen beiden Inseln Weinberge zu finden, auf denen die Rebsorte angebaut wird.

In der Toskana werden Vermentino-Trauben auf den Hügeln der Apuanischen Alpen und in der Maremma angebaut, wo auch das Weingut „Tenuta Ammiraglia Frescobaldi“ liegt. Auf unserem Weingut wird aus dieser autochthonen Rebsorte der Massovivo gekeltert, ein toskanischer Wein mit geschützter geografischer Angabe (IGT), der fruchtige Aromen und Noten von Zitrusfrüchten aufweist.

Auch in der Produktspezifikation des Weins mit der geschützten Ursprungsbezeichnung „Bolgheri DOC“ wie auch anderer typischer Weine der Toskana gehört die Rebsorte Vermentino zu den zulässigen Keltertraubensorten.

Vernaccia di San Gimignano

Die aus Ligurien stammende weiße Rebsorte Vernaccia di San Gimignano wurde in den 1200er Jahren von einem gewissen Vieri de‘ Bardi in der Toskana eingeführt. Es waren seine Nachfahren Zanobi und Angiolo Bardi, die den Anbau der Rebsorte weiterentwickelten, die heute genau wie damals geschätzt wird.

Die Rebsorte Vernaccia di San Gimignano ist in der Produktspezifikation des Dessertweins San Gimignano Vin Santo und des Landweins Toscana IGT mit geografischer Angabe als eine der wichtigsten Keltertraubensorten enthalten.

Ciliegiolo

Die Herkunft der Rebsorte Ciliegiolo ist unklar: Für die einen ist es eine Variante der Sangiovese-Rebe, für andere ein Synonym für Aleatico. Andere wiederum sind der Überzeugung, sie wäre mit der Rebsorte Aglianicone verwandt. Tatsächlich handelt es sich aber um eine eigenständige Rebsorte mit mittelgroßen, runden Weinbeeren mit einem ausgeprägten Duftfilm auf der bereiften Schale.

Den Namen verdankt sie der Farbe und dem Geschmack der Trauben, die an Kirschen (italienisch: ciliegia) erinnern. 

Die Keltertraube wird zumeist für Cuvées mit Sangiovese und anderen leicht herben Weinen mit geringem Alkoholgehalt verwendet, da sie für den entsprechenden Alkoholtenor und den runden Geschmack sorgt.

Internationale Rebsorten

Zu den nicht heimischen Rebsorten, die in der Toskana angebaut werden, gehören die wohl bekanntesten Bordeaux-Reben (die traditionell im französischen Weingebiet Bordeaux angebaut werden). Daraus werden die sogenannten Supertoskaner gekeltert, die heute zu Recht zu den besten toskanischen Rotweinen zählen (LINK).

Merlot

Merlot ist die am häufigsten angebaute internationale Rebsorte in der Toskana, die ausgezeichnet zur Rebsorte Cabernet Sauvignon passt, mit der die Merlot-Trauben häufig gemischt werden. 

Durch das unverwechselbare fruchtige Aroma mit Noten von roten Blüten und den weichen, tanninhaltigen Geschmack eignen sich Merlot-Trauben für den Verschnitt zur Erzeugung vieler toskanischer Rotweine wie zum Beispiel für die Landweine Toskana IGT.

Bereits 1855 entschied ein Vorfahr der Familie Frescobaldi mit Weitblick, in den Weinbergen von Castello Nipozzano Bordeaux-Reben anzubauen.

Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc

Auf 4 % der Weinbaufläche der Toskana wird die Rebsorte Cabernet Sauvignon angebaut. Sie zählt zu den weltweit geschätzten Cabernet-Sorten. Die Trauben haben eine runde Form und zeichnen sich durch ihr dicke, bläulich-violettfarbene Schale und ein eher festes Fruchtfleisch aus.

Bei der Weinbereitung entstehen intensive Weine, die nicht nur eine schöne satte Farbe, einen hohen Gehalt an Tanninen und aromatischen Substanzen aufweisen, sondern sich auch zur langen Reifung eignen. Durch den Ausbau in Barriques aus Holz, insbesondere aus französischer Eiche, entfalten die Weine nach und nach ein komplexes und faszinierendes Bukett.

Laut den Daten des italienischen Statistikamts ISTAT aus dem Jahr 2010 wird hingegen auf eine 692 Hektar großen Fläche (etwa 1 % der Gesamtanbaufläche der Toskana) die Rebsorte Cabernet Franc angebaut. Die ursprünglich aus der Gironde in Südwestfrankreich stammende Rebsorte mit dunklen Trauben wurde im Jahr 1820 vom Grafen Manfredo di Sambuy zusammen mit der Rebsorte Sauvignon in Italien eingeführt.

Die Rebsorte Cabernet Franc wird in der Gegend um Bolgheri zur Herstellung sortenreiner Weine verwendet, auch wenn sie häufiger mit Trauben der Rotweinsorten Cabernet Sauvignon und Merlot gemischt wird, um die berühmten „Bordeaux-Verschnitte“ zu keltern.

Im Rotwein Maremma Toscana Cabernet DOC Terre More di Frescobaldi, der aus Trauben der Rebsorten Cabernet Sauvignon und Franc mit kleinen Anteilen von Merlot und Syrah gekeltert wird, kommen diese nicht einheimischen Rebsorten am besten zum Ausdruck. Ein intensiver und eleganter Tropfen mit dem Geschmack eines modernen Weins, der zugleich den engen Zusammenhang mit dem Terroir repräsentiert.

Syrah

Syrah oder Shiraz (wie sie auch bezeichnet wird) ist eine Rebsorte mit dunklen Trauben, deren Herkunft umstritten ist. Manche sind der Überzeugung, sie stamme aus dem Iran, andere wiederum behaupten, sie hätte ihren Ursprung im sizilianischen Syrakus, wo sie zunächst verschwand und dann über Frankreich wieder zurück nach Italien kam.

Selbst der Name ist geheimnisumwittert. Der Name Syrah, so wie wir ihn heute kennen, ist ein neuzeitlicher Begriff. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie Serine oder Serene genannt und häufig mit der dunklen Rebsorte Mondeuse verwechselt, die ursprünglich aus der französischen Gegend Savoyen stammt.

Aus den Syrah-Trauben entsteht ein Wein mit roter Farbe, die manchmal zu Violett tendiert. Das fruchtige und floreale Bukett ist komplex und weist Noten von roten Früchten und Veilchen auf. Am Gaumen ist der Rotwein trocken, körperreich, tanninhaltig und angenehm alkoholisch. Er eignet sich zum Ausbau in Barriques sowie zum Verschnitt mit Rebsorten wie Cabernet Sauvignon und Franc sowie Merlot und Sangiovese zur Herstellung von Cuvées.

Chardonnay 

Chardonnay ist eine der bekanntesten weißen Rebsorten, die ebenfalls aus dem französischen Burgund stammt und praktisch überall auf der Welt angebaut wird.

Die aromatischen Bestandteile, die durch die Chardonnay-Trauben im Wein entstehen, sind je nach Terroir unterschiedlich, weshalb eine genaue organoleptische Beschreibung schwierig ist. Auf dem Weingut Tenuta Castello Pomino der Familie Frescobaldi wird die Rebsorte Chardonnay auf einer Höhenlage von 700 Metern in Weinbergen angebaut, die von Tannenwäldern und Mammutbäumen umgeben sind. Hier entsteht der Benefizio Riserva, der erste italienische Weißwein, der in Holzfässern gärt und ausgebaut wird.


(Quellen: Quattrocalici.it + Assovini)

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